Vom 28. September bis 13. Oktober zeigen wir die Einzelpräsentation „Alles“ des international bekannten Fotokünstlers Tobias Zielony. Als Tobias Zielony sein Lager in Leipzig durchsuchte, stieß er auf älteres Super 8-Material, das er 2002 als junger Künstler aus Leipzig in Chemnitz aufgenommen hatte. 15 Jahre später hat Zielony die Ausschnitte nach einer freien Reihenfolge zu einem neuen Film zusammengefügt und digitalisiert. Das Resultat besteht aus kurzen Sequenzen, die rückwärts ablaufen und scheinbar ohne Narrative auskommen. Der tonlose Film zeigt junge Menschen in Chemnitz und kann als Vorläufer späterer Animationen und als erstes Exemplar seiner Videoarbeit verstanden werden.

Tobias Zielony
Alles

Digitalisierter Super 8-Film, 5:31 Min., 2002/2007
Courtesy Tobias Zielony und KOW, Berlin
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Vom 1. August bis 1. September verbinden sich in einer interaktive Rauminstallation verschiedener Chemnitzer Kollektive differente Herangehensweisen zur öffentlichen Raumnutzung und dessen Gestaltungsmöglichkeiten.

Im Juli hat sich bereits das Kollektiv Karl-macht-Stadt unteranderem mit dem urban gardening Projekt Nachhall e.V. zusammengetan und sich im Format der Frei(t)raumfabrik  in verschiedenen öffentlichen Workshops im Chemnitz Open Space und Stadtspaziergängen dem Thema genähert. Dabei entstand in Zusammenarbeit mit Besucher*innen eine Sammlung von Wünschen für die Umgestaltung der Freiräume der Stadt Chemnitz.

In der auf Teilhabe ausgerichteten folgenden gleichnamigen raumgreifenden Installation widmet sich Karl-macht-Stadt dem Potenzial des öffentlichen Raumes und dessen Gestaltungsmöglichkeiten und verknüpft die gesammelten Stimmen von Bewohner*innen für die Umgestaltung der Freiräume der Stadt Chemnitz in die Ausstellung ein. Ergänzt werden sie durch praktische Beispiele bereits umgesetzter innovativer Idee in anderen Städten.

Die Installation kann durch die Besuchenden der Ausstellung während der gesamten Ausstellungsdauer ergänzt und kommentiert werden. 

Dafür setzt sich ebenfalls der Verein Bordsteinlobbey e.V. ein. Die hier mit ihrer Videoinstallation Freiraum GmbH mit repräsentiert sind. Sie stellen sich Fragen, wie: “ Ist Frei-Raum ein Ort an dem ich wirklich frei bin? Ist Freiraum ein leerer Ort? Lädt er zum gestalten ein? Oder bleibt er leer für die Ruhe und Freiheit, die ich brauche? Was mache ich im Freiraum? Was mit Ihm? Wem gehört er eigentlich? Und wann und wo finde ich ihn?

Ausgerüstet mit einem Einkaufswagen voller Dinge, Schildern und einem Megaphon waren sie unterwegs und wollten mit Menschen gemeinsam ausprobieren was passiert, wenn man einen freien Raum umwidmet, ihm eine neue Bedeutung gibt. Reicht ein Wort, eine Handlung ein Fußball, ein
Buch, Musik, um einen Nicht-Ort zum Ort zu machen? Wie viel oder wie wenig Energie bedarf es sich Freifraum anzueignen? Welches Bild von
Freiraum haben wir in unseren Köpfen?“ 

Die Ergebnisse dieser performativen Aktion werden in der Ausstellung in Form einer Installation reflektiert und werden ergänzt durch eine Performance zur Eröffnung.

Die Ausstellung setzt sich im Aussenraum vor dem Chemnitz Open Space fort und wird direkt als Spiegel für eigene Gestaltungsmöglichkeiten des urbanen Raumes genutzt. Hier können sich ebenfalls die Besuchenden mit einbringen. Dank der Pflanzen- und Know-howspenden des Saatgutgartens Nachhall e.V. Chemnitz, befinden sich hier Hochbeete, die stetig ergänzt werden können. 

Das aus dem vorhergegangenen Workshop, am 28.07.2019 entstandene Geodom aus recycelten Materialien soll ebenfalls zur aktiven Nutzung für Besuchende als Verweil-, Diskussionsort im öffentlichen Raum einladen und beispielhaft als eine reversible Nutzungs- und Gestaltungsmöglichkeit für öffentliche Räume dienen.

Der Titel der Ausstellung Frei(t)raumfabrik ist nicht nur Name, sondern somit auch Programm und hofft auf eine aktive Teilnahme innerhalb der geplanten Diskussions- und Beteiligungsformate, da die Themen der folgenden Stadtgestaltung und Umweltproblematik in Chemnitz eine aktuelle Rolle einnehmen.

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Ab dem 23. Juni bis zum 24. Juli 2019 folgte die zweite Ausstellung mit Henrike Naumanns Rauminstallation Urgesellschaft.

Photo: Ladislaw Zajac
Courtesy Henrike Naumann, KOW Berlin.

In der raumgreifenden Installation Urgesellschaft nutzte Henrike Naumann das Potenzial des künstlerischen Ausdrucks, um politische und gesellschaftliche Fragen zur Diskussion zu stellen, die, dreißig Jahre nach dem Mauerfall, teilweise nicht verhandelt wieder zutage treten. Die 1984 in Zwickau geborene, international tätige Künstlerin nutzt dabei Originalmöbel aus der deutsch-deutschen Wendezeit der 1990er Jahre, um mit Hilfe der damaligen ästhetischen Mittel die Erinnerungen der Besucher*innen zu wecken.

Der Titel der Ausstellung schuf dabei bereits eine Brücke zwischen der vergangenen und heutigen Zeit in Bezug auf ihre ideologischen Rahmenpunkte, da das „lineare Treppenmodell marxistischer Gesellschaftsentwicklung und das kapitalistische Wachstumsparadigma einen positiven Bezugspunkt teilen: die Urgesellschaft der Sammler und Jäger als eine Projektion der menschlichen Fundamente des Sozialen. Naumanns Installation nimmt,“ so der Begleittext von Clemens Villinger zur Ausstellung Ostalgie der Berliner Galerie KOW, in der sie zuvor gezeigt wurde, „die Materialität anthropologischer Narrative und reaktionärer Gesellschaftsentwürfe in den Blick. DDR-Alltagsobjekte vermischen sich mit cartooneskem Mobiliar zu einer flintstonehaften ‚Neosteinzeit‘ (Markues). Naumanns Arbeit fragt nach der Anziehungskraft von Utopien, deren Versprechen darin liegt, die Komplexität der Gegenwart zu reduzieren und eine vermeintlich einfache Vergangenheit zu konstruieren. Eindeutig mit Gewalt und Macht durchgesetzte geschlechtliche, rassische, soziale Ordnungen bilden die ge- danklichen Konstanten dieses imaginierten ‚Retrotopia‘ (Zygmunt Bauman).“

Mit der Vorstellung einer Urgesellschaft wird damit der ideologische Rahmen gesetzt, in dem die ausgestellten Alltagsgegenstände verhandelt werden. Ihrer Zeit und ihres ursprünglichen Nutzens entrückt, wird das verwendete Mobiliar somit zum Träger verschiedener Erzählebenen und sieht sich der heutigen Gesellschaft gegenübergestellt. Nicht zuletzt durch die Besucher*innen und dem Ort selbst, die mit ihren eigenen Lebensrealitäten den historischen Kontext neu definieren. Der architektonische Komplex, die sogenannte „Parteisäge“ – des ehemaligen SED Bezirksleitungsgebäudes – in dem die Ausstellung in Chemnitz präsentiert wird, ist eben- falls ein Symbol dieser Zeit. Er wurde früher von Blumen- beeten und Paraden gerahmt und liegt nun, obschon mitten in der Stadt und wieder mit Behörden besetzt, heute ein wenig unbeachtet und abseits des städtischen Lebens.

Was soll sich daraus entwickeln? Wie passen die gelebten Vorstellungen mit den heutigen zusammen und was wird in Zukunft daraus? Nicht zuletzt bietet gerade dafür der eingerichtete Chemnitz Open Space einen Raum sich diesen Fragestellungen zu stellen und Altes mit Neuem zu verbinden oder weiterzuentwickeln.

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Im Mai zeigten wir als erste Ausstellung vom 11. Mai bis zum 14. Juni 2019 I was born in Karl-Marx-Stadt von Joerg Waehner. Neben einer raumgreifenden Installation fanden sich persönliche Dokumente und Arbeiten zu seinen Erfahrungswerten mit der Staatssicherheit und dem Alltäglichen in der ehemaligen DDR in der Ausstellung wieder. Zudem brachte Waehner an verschiedenen Bereichen Anregungen für eine aktive Beteiligung der Besuchenden mit ein. Damit reagierte er auf das Gesamtkonzept des Chemnitz Open Spaces, das auf eine Aktivierung und Einbeziehung der Besuchenden ausgerichtet ist.

 

Dieser Anspruch spiegelt sich auch in dem integrierten, auf Teilhabe ausgerichteten künstlerischen Werk Hin und Her von Dennis Fuchs wider das noch bis Ende August zu sehen sein wird. Die Arbeit besteht aus sieben Tischtennisschlägern, die jedoch in Form und Material vom gewöhnlichen Sportgerät abweichen. Um einen fairen, sportlichen Wettkampf zu ermöglichen, unterliegen professionelle Tischtennisschläger bestimmten Normen, sodass beispielsweise ein bestimmter Gummibelag nur mit entsprechender Genehmigung durch eine jährlich veröffentlichte Liste in Wettkämpfen verwendet werden darf. Hin und Her bricht mit diesen Vorgaben und lässt die partizipierenden Personen mit unterschiedlichen Startvoraussetzungen aufeinander treffen. Ohne explizit formulierte Regeln regt das partizipative Werk dazu an, das Miteinander gemeinsam zu gestalten.

Weitere Ausstellungen sind in Planung.